| Konturen für die Innenstadt |
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(NW 14.01.10) „Pilotprojekt Barrierefreier historischer Stadtkern ist ein Glücksfall für die Stadt“, sagt der Bürgermeister
![]() Prof. Kunibert Wachten (kleines Foto, Mitte) koordiniert das landesweite Pilotprojekt „Barrierefreiheit im historischen Stadtkern“. Er stellte zur Bürgerversammlung die Entwürfe vor. FOTOS: DIETER SCHOLZ „Warburg besitzt ein entzückendes Stadtbild. Genau das ist ihr Kapital“, fand Werkstatt-Moderator Prof. Kunibert Wachten vom Dortmunder Planungsbüro Scheuvens und Wachten am Dienstagabend schmeichelnde Worte zur Einstimmung der Versammlung. Aber: „Die Details der Stadt sind in die Jahre gekommen“. Details können mitunter recht großflächig ausfallen: Etwa die Pflasterung der historischen Innenstadt. Während der Einwohnerversammlung wurden die drei eingereichten Entwürfe der Stadtplaner erneut vorgestellt, allen voran das vom Lenkungskreis und vom Votum des Warburger Bezirksausschusses präferierte Konzept der Hannoveraner Landschaftsarchitekten Irene Lohaus und Peter Carl. Diese Stadtplaner haben sich an Warburgs Erscheinungsbild zur Jahrhundertwende orientiert. Im ausgehenden 19. Jahrhundert erscheint die Innenstadt als „kompakter Kern“, erklärte Irene Lohaus. Sie zeigte auf der Leinwand ausgewählte Ansichten der innerstädtischen Straßen aus der damaligen Zeit.
Diese architektonische Geschlossenheit soll durch eine einheitliche Bodengestaltung, die durch hellen Dolomit-Kalkstein für sogenannte Laufbänder, Gehwege, und dunklen Grauwacke-Steinen für die Fahrbahn wieder hervorgehoben werden. Derzeit sind sieben verschiedenen Befestigungsmaterialien in der Neustadt verlegt. Über die neue Pflasterung aus Dolomit und Grauwacke werden sich die Bürger demnächst ein eigenes Bild machen können: Probepflasterungen sind in der Innenstadt geplant. Wie geht es sich darauf? Undwelchen Lärm erzeugen darauf Autoreifen? ![]() So sieht er aus: Dunkle Grauwacke aus dem Ruhrgebiet und helle Dolomitquader aus Süddeutschland bilden den Mix des favorisierten Straßenbelags in der Innenstadt (Foto oben). Auch der Neustädter Markt und der Gebrüder-Warburg-Platz sollen einen neuen Auftritt bekommen – ohne Barrieren, aber in einem denkmalgerechten Gewand. Die Planungen bargen genug Diskussionsstoff für die rund 200 anwesenden Bürger. „Was wird es die Anlieger kosten“, lautete die Eingangsfrage. Denn die Barrierefreiheit ist ein Millionenprojekt. Dennoch zeigte sich Bürgermeister Michael Stickeln recht gelassen. Zwei Briefe an das Land und die Bezirksregierung, den Geldgebern des landesweit ausgewiesenen Pilotprojektes in Warburg, seien von den Hausjuristen der Verwaltung aufgesetzt worden, in denen die Stadt ihre Sicht auf die Baufinanzierung darstelle: Dieses Projekt solle die Anwohner nichts kosten. „Und diesen Anträgen ist bis jetzt noch nicht widersprochen worden“, erklärte Michael Stickeln optimistisch. „Das ist ein Glücksfall für Anlieger“. Ein zweites Brennpunkt-Thema war die Parkplatz-Situation. In den Plänen von Lohaus und Carl werden innerstädtisch 201 Parkplatz gezählt. Nach dem Konzept bliebe deren Anzahl gleich hoch, nur die Anordnung falle anders aus. „Die Schaffung von neuen Parkraum wird nicht gefördert“, betonte Bürgermeister Michael Stickeln. Wo geparkt wird, wird auch gefahren. Bei der Bürgerversammlung wurde das Streitthema Verkehrsführung aufgegriffen. „Das Tabu der autofreien Innenstadt sollte wohl nicht thematisiert werden“, befand Susanne Schulte-Friedrich. Die Entscheidungsgewalt über den Verkehrsfluss in der Innenstadt hat der Stadtrat. Das Modellprojekt ist auf Jahre angelegt. Eine Zeitspanne, in der sich noch viel ändern kann. Und die Konzepte seien dahingehend flexibel. „Die Pläne sind für Diskussionen offen. Selbst die Umkehrung der Einbahnstraßenführung ist möglich“, erklärte Stadtplanerin Irene Lohaus. Für die Einzelhändler sprach Udo Wiemers, Vorsitzender der Warburger Werbegemeinschaft. Wiemers befürchtet Einbußen durch lange Bauphasen. Auch verstehe er nicht, warum in der oberen Hauptstraße die Arbeiten beginnen würden, wo doch die untere Hauptstraße viel maroder sei. Dieses Vorgehen sei der Wunsch des Landes Nordrhein-Westfalen, erklärte Bürgermeister Michael Stickeln sachlich. Und das Land gebe das Geld. „Die einzelnen Bauzeiten werden so kurz wie möglich“, versprach der Bürgermeister. Acht bis neun Bauabschnitte seien derzeit über einen Zeitraum von acht bis neun Jahren geplant. Sein Fazit: „Die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt wird sich verbessern“, prophezeite Stickeln, „und davon profitiert auch der Einzelhandel“. Der Rathaus-Chef bewertet das Interesse der Warburger Bürger als enorm positiv. Das zeige die hohe Beteiligung an der Bürgerversammlung. Es sei „umfassend diskutiert“ worden, so der Bürgermeister.Und das sei politisch auch so gewollt. Kritik, Anregungen und Verbesserungsvorschläge nehme man bis zur Entscheidung des Rates auf der Sitzungam 9. Februar gerne auf. Danach werde es um die Details gehen. Alle Wortmeldungen der Bürger im PZ seien protokolliert worden und würden den Fraktionen zugänglich gemacht. Stickeln hob im Gespräch mit der Neuen Westfälischen die positive Aufnahme des favorisierten Entwurfs innerhalb der Bürgerschaft hervor. „In großen und ganzen gehen die Warburger mit den vorgestellten Plänen konform“, befand Stickeln. Die interessante Diskussion habe aber auch das Spannungsfeld des Ausbauprojektes wiedergegeben. „Wir sollten nicht nur die Bedenken sehen, sondern die Chancen“, so Stickeln. Alle profitierten, da sich die Situation und das Ambiente der historischen Innenstadt stark verbessere.
In Sachen der Parkräume warte die Verwaltungauf innovative Vorschläge seitens der Städteplaner. „Unsererseits fordern wir, das wegfallende Stellplätze innerhalb des Kernbereichs eins zu eins kompensiert werden“, so der Bürgermeister. ![]() Bürgerbegehr: Rudolf Breker (85) wünscht sich eine Innenstadt in der Kinder spielen und auch Senioren mobil sind –so wie in seinen K indheitstagen. FOTO: SANDRA WAMERS Diskussion und Denkanstoß Bad Driburg, Königswinter, Emsdetten: das Landschaftsarchitektur-Büro LohausCarl konzipiert seit 1996 neue Innenstadtansichten. Bei vielen dieser städtischen Aufträgen werden die Bürger gehört. „Aber eine so breite Diskussion wie in Warburg ist einmalig“, sagt Stadtplanerin Irene Lohaus im Gespräch mit der NW. Die 44-jährige Ingenieurin ist von der Bürgerversammlung beeindruckt: „Das Interesse war groß und die Bürger haben gute Sachfragen gestellt. Die Diskussion hat Spaß gemacht. Es gab viele Anregungen, die bei den Planungen helfen.“ Jetzt würde das Konzept überprüft. Das breite Meinungsbild sei wichtig. Schließlich sollen es Pläne sein, die in der Stadt auch angenommen werden“, betont Landschaftsarchitektin Lohaus. (sw) ![]() Impressionen der Architekten: So könnte der Marktplatz aussehen (oben l.), daneben finden sich erste Studien zur barrierefreien Gestaltung von Hauseingängen. Die vier Skizzen darunter zeigen Aufsichten und Querschnitte der Hauptstraße aus der Sicht des Planungsbüros LohausCarl. FOTO: DIETER SCHOLZ Z W I S C H E N R U F Überflüssig Seit Jahrzehnten wird über die Frage heftigst diskutiert: Autos in der Innenstadt –ja oder nein, rein oder raus? Unzweifelhaft bilden sie eine Barriere, schränken die Mobilität der Fußgänger in Warburgs guter Stube ein. Zweifelsfrei auch, dass der Konsument so dicht wie eben möglich mit seinem Pkw vors Geschäft fahren möchte. So die Kunde besonders der Einzelhändler. So oder so eine Einbahnstraße. Überlegungen gibt es viele. Klare Vorstellungen auch, eindeutige Weisungen aber nicht. Wollen die Warburger eine echt barrierefreie Innenstadt, so ist der automobile Verkehrsfluss mehr als überflüssig. dieter.scholz@ ihr-kommentar.de |




