Stadt Warburg

Eine Stadt mit Geschichte

Pläne stoßen auf Widerstand
(NW 22.01.10) Anwohner sehen beim Projekt „Ambulant Betreutes Wohnen“ Gefahrenpotential

Große Skepsis begegnete den Planern des Projektes „Ambulant Betreutes Wohnen“, das im Baugebiet „Auf’m Profit“ entstehen soll. 70 Bürger informierten sich gestern Abend im Pädagogischen Zentrum über das Konzept, das der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) verwirklichen will. „Das können sie doch woanders bauen“, lautete der einhellige Tenor der Anwohner.
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Pläne vorgestellt: (v. l.) Bürgermeister Michael Stickeln, Gertrud Gerlach (Teamleiterin Ambulant Betreutes Wohnen), Architekt Günter Müller, Andrea Engelmann (Leiterin des LWL-Wohnverbundes Marsberg) und Klaus Stahl, Referatsleiter der LWL-Abteilung für Gesundheitswesen stellten im PZ das Wohnprojekt Ambulant Betreutes Wohnen in Warburg vor. FOTO: DIESTERHEFT


Um dem deutlich spürbaren Widerstand zu begegnen, regte Klaus Stahl an, dass sich die Betroffenen in einer bereits bestehenden Einrichtung direkt informieren können. „Die Stadt stellt für diesen Informationsbesuch kostenlos einen Bus zur Verfügung“, unterstützte Bürgermeister Michael Stickeln den Vorschlag des Referatsleiters der Abteilung für Krankenhäuser und Gesundheitswesen.  

Der Bürgermeister ließ erkennen, dass er die Bedenken der Anwohner Ernst nimmt. Gleichwohl achte er deutlich, dass er bei den möglichen neuen Bewohnern dieses Hauses in dem neuen Wohngebiet kein Gefahrenpotential sieht. Eingehend hatte sich Stickeln im Vorfeld erkundigt. „Mein Kollege Klenner in Marsberg hat mir zugesichert, dass es dort bislang zu keinen Problemen gekommen ist“, sagte Stickeln.  

Gertrud Gerlach, die als Teamleiterin in der Ambulanten Betreuung des LWL in Marsberg arbeitet, berichtete aus dem Alltag der Bewohner in Marsberg. Dort leben von den 150 des durch die LWL betreuten Klientels immerhin 80 direkt im Stadtgebiet in eigenen Wohnungen. „Die sind alle integriert und nehmen auch am Vereinsleben teil“, sagte Gerlach. Dabei machte sie deutlich, dass der Personenkreis, der das Hilfeangebot des Ambulanten Wohnens in Anspruch nimmt, dies freiwillig tue. „Diese Menschen wollen und benötigen unsere Hilfe“, sagte Gerlach.  

„Psychische Erkrankungen und Abhängigkeitserkrankungen können jeden von uns treffen“, erwiderte Bürgermeister Stickeln nach einem Einwurf, als Anwohner deutlich signalisierten, dass die zu Betreuenden doch nicht in ihrem Baugebiet leben sollten.

„Sieben von den elf zu betreuenden Personen leben bereits in Warburg und Umgebung“, sagte Andrea Engelmann, Leiterin des LWL-Wohnverbundes Marsberg. Sie machte klar, dass durch die konzentrierte Unterbringung mit einem umfassenden Betreuungsangebot den Klienten eine weitaus bessere Unterstützung zuteil werde als bisher. „Bei diesem Hausgemeinschaftsmodell ist die Begegnung mit dem Umfeld und die gegenseitige Unterstützung wichtig. Zudem können mögliche Krisen frühzeitiger erkannt und behoben werden“, so Engelmann.  

„Wie wollen sie die Menschen integrieren, wenn ein ganzes Wohngebiet diese Menschen  gar nicht haben will“, sagte eine Anwohnerin und erntete großen Applaus aus der Zuhörerschaft.  

Ingrid Blömeke-Rieke erinnerte daran, dass derlei Bedenken seinerzeit auch bei der Ansiedlung des HPZ St. Laurentius in der Öffentlichkeit bestanden, Da sollte gar eine Bürgerinitiative aufgebaut werden. Heute sei die Einrichtung anerkannt und wichtiger Arbeitgeber in der Stadt. Auch Heribert Cramme konnte die Diskriminierung nicht nachvollziehen: „Wir sind stolz auf Einrichtungen wie das HPZ und das Petrus Damian“, äußerte er seine Betroffenheit darüber, dass sich ein ganzes Wohngebiet gegen das Projekt stemme. Auch für diese Feststellung gab es Beifall.  

Peter Beine, einer der Sprecher der Anwohner, hatte in der Versammlung von einer abstrakten Gefahrenlage“ für die Anwohner gesprochen, schließlich lebten dort viele Familien mit Kindern. Auch der Wertverlust der Häuser und Grundstücke wurde von einem Anwohner als Gegenargument angeführt.  

„Jeder Mensch hat das Recht darauf, da zu wohnen, wo er möchte“, sagte LWL-Referatsleiter Klaus Stahl. Nur mit Kommunikation könne man aber Bedenken ausräumen, begründete Stahl sein Angebot, dass sich die Kritiker in einer vergleichbaren  Einrichtung selbst ein Bild von dem Konzept „Ambulant betreutes Wohnen“ machen sollten. 



Vorübergehende Unterstützung
Ambulant Betreutes Wohnen richtet sich an Menschen, mit einer psychischen Erkrankung und/oder einer Abhängigkeitserkrankung, die vorübergehend Unterstützung in der selbständigen Lebensführung benötigen. Elf Wohneinheiten sollen in Warburg geschaffen werden. Ehemalige Straftäter gehören ausdrücklich nicht zum Klientel.

 
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