| Mischung aus Angst und Ablehnung |
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(WB 22.01.10) Bewohner des Gebietes »Auf'm Profit« lehnen Apartmenthaus für psychisch Erkrankte ab ![]() Sie haben über das Projekt informiert: Bürgermeister Michael Stickeln, Gertrud Gerlach (LWL), Architekt Günter Müller, Andrea Engelmann (LWL) und Klaus Stahl (LWL). Foto: Ulrich Schlottman
Das Vorhaben des Landschaftsverbandes (LWL), im Neubaugebiet »Auf'm Profit« ein Apartmenthaus für Menschen mit psychischen oder Abhängigkeitserkankungen zu errichten, stößt bei den Anwohnern nach wie vor auf vehemente Ablehnung. Das ist am Donnerstagabend bei einer Informationsveranstaltung im Pädagogischen Zentrum deutlich geworden.»Das kann in einem anderen Wohngebiet gebaut werden, aber nicht hier, wo so viele Familien mit kleinen Kindern leben.« »Eine Integration wird nicht passieren, weil wir die Bewohner dieses Hauses ablehnen werden.« »Es besteht eine abstrakte Gefährdungslage für Kinder.« Diese Aussagen von Anwohnern waren symptomatisch für die Haltung, die in der Anliegerversammlung zum Ausdruck kam: Die Einwohner des Neubaugebietes begegnen dem Projekt mit einer Mischung aus Angst und Ablehnung. Die Vertreter des Landschaftsverbandes und der Stadt bemühten sich zwar nach Kräften, diesen Vorbehalten entgegenzutreten, am Ende war aber ein Stimmungswandel trotz aller Appelle nicht zu erkennen. Ein weiterer Versuch zur Klimaverbesserung ist jetzt die Einladung an die Einwohner, ein bereits bestehendes Apartmenthaus in einer anderen Stadt zu besuchen. Die Stadt Warburg will den Bus zur Verfügung stellen. Das Wohnen in der Hausgemeinschaft eines Apartmenthauses beinhaltet die Möglichkeit zur Begegnung mit anderen. Durch die im Haus vorgehaltenen Freizeiträume ergeben sich unterschiedliche Freizeitgestaltungsmöglichkeiten, die der häufig bestehenden Isolation der Bewohner entgegenwirken sollen. Das Wohnen mehrerer Klienten in einem Haus hat für die Betreuer den Vorteil, dass Anwesenheitszeiten der Mitarbeiter umfänglicher sind und so in Krisenzeiten qualifiziertes Personal leichter erreichbar ist.
WARBURGER ASPEKTE von Ulrich Schlottmann Größere Offenheit ist nötig Wenn Bebauungspläne in Wohngebieten geändert werden, nachdem Grundstücke verkauft und Häuser gebaut worden sind, ist das immer problematisch. So sind auch die Anwohner des Viertels »Auf´m Profit« davon ausgegangen, in einer reinen Wohnbausiedlung mit schmucken Einfamilienhäusern und schönen Gärten zu wohnen. Die Frage, ob das jetzt geplante Apartmenthaus für psychisch Erkrankte dazu passt, ist deshalb berechtigt, und zwar unabhängig davon, wer darin leben soll. Allerdings liegt der Standort des geplanten Gebäudes an der Zufahrtsstraße des Wohngebietes so, dass eine architektonische Störung des Gesamtbildes nicht zu erwarten ist. Auch die gegliederte Bauweise des geplanten Hauses spricht gegen die Befürchtung, das Neubaugebiet werde dadurch entwertet. Die Befürchtungen der Anwohner richten sich allerdings auch gar nicht so sehr gegen das Apartmenthaus, sondern vielmehr gegen dessen künftige Bewohner. Eine gewisse Skepsis ist nachvollziehbar, und zweifellos ist eine vollständige Aufklärung über das Vorhaben der ambulanten Betreuung erforderlich. Vielleicht ist diese Information am vergangenen Donnerstagabend schon zu spät erfolgt, denn inzwischen hat sich in dem Wohngebiet schon eine Gemengelage aus Angst und Ablehnung aufgeschaukelt, der mit sachlicher Aufklärung offensichtlich kaum noch zu begegnen ist. Eine Mischung aus Halb- und Falschinformationen sowie Vorurteilen und grundsätzlichen Vorbehalten hat Bilder entstehen lassen, die mit der tatsächlich zu erwartenden Realität nichts zu tun haben. Dass sich Eltern um ihre Kinder Sorgen machen, ist selbstverständlich. Aber die »abstrakte Gefährdungslage «, die in der Versammlung angesprochen wurde, besteht doch leider ohnehin und nicht in besonderer Weise durch die Menschen, die in diesem Apartmenthaus wohnen werden. Es ist ausgesprochen bedauerlich, dass diese Leute von ihren künftigen Nachbarn bereits ausgegrenzt werden, bevor sie in eingezogen sind, bevor man sie also kennt. Menschen mit Behinderungen, mit psychischen Problemen oder Abhängigkeitserkrankungen leben überall in der Stadt unter uns, ja mit uns. Sie haben selbstverständlich das Recht, dort zu wohnen, wo sie es wollen, wenn nicht die Schwere der Erkrankung oder der Behinderungen anderes erforderlich macht. Die freie Wahl des Wohnortes ist ein Grundrecht, das nicht in Frage gestellt werden darf. So wird ja auch niemand gezwungen, seine Wohnung zu verlassen oder sein Haus zu verkaufen, weil er psychisch erkrankt oder er ein Suchtproblem bekommt. Skepsis war auch vorhanden, als das HPZ St. Laurentius vor einigen Jahren damit begonnen hat, Außenwohngruppen zu bilden. Das HPZ ist allerdings einen anderen Weg gegangen als der LWL und hat Häuser oder Wohnungen in den Wohngebieten gekauft oder gemietet. Hier und da hat es kleinere Anfangsprobleme gegeben, aber insgesamt kann festgestellt werden, dass die Behinderten heute akzeptierte und gern gesehene Nachbarn sind. Tatsächlich begegnet die Gesellschaft diesen Menschen heute mit einer größer gewordenen Offenheit. Das liegt unterem daran, dass die Behinderten eine Lobby haben, wenngleich diese manchem noch zu schwach erscheinen mag. Menschen mit psychischen Erkrankungen und Abhängigkeitsproblemen haben diese Lobby aber nicht, obwohl doch jeder – durch welche Umstände auch immer – jederzeit zu einem Betroffenen werden kann. Die Gesellschaft ist offensichtlich noch nicht so weit, dass sie diese Erkrankten vorbehaltlos akzeptieren kann. Daran muss gearbeitet werden, wie sich auch am Donnerstagabend gezeigt hat, denn das Gesellschaftsbild, das in einigen Äußerungen zum Ausdruck kam, war schlicht erschreckend.
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