Stadt Warburg

Eine Stadt mit Geschichte

Die Profis vom Winterdienst
(NW 26.01.10) REPORTAGE: Ab vier Uhr morgens werden Warburgs Straßen vom Schnee befreit
Im Schneckentempo tastet sich Frank Pommerenke mit seinem fast 2,50 Meter breiten Schneeschieber auf der Berliner Straße vorwärts.

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Eng: In der August-Dissen-Straße kommt der Schneeschieber zwischen Auto und Baustelle kaum durch.
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Vorsicht geboten: Wenn sich am Pädagogischen Zentrum die Schüler des Hüffert-Gymnasiums auf den Heimweg machen, muss Frank Pommerenke mit seinem Schneeschieber besonders langsam fahren. Eine Hand hat er immer am Joystick für den Schieber. FOTOS: DAVID SCHELLENBERG

Der zupackende Daseburger, der das Fahren auf großen Landmaschinen gelernt hat, flucht: Zwei Autos haben so eng geparkt, das Pommerenke mit seinem Lkw kaum zwischen ihnen durchpasst. Konzentrierte Millimeterarbeit – und das, obwohl der 32-Jährige schon seit acht Stunden am Steuer sitzt.

Halb vier Uhr am Morgen kam der Anruf vom Vorarbeiter: Wegen des starken Schneefalls müssen alle Straßen der Stadt sofort geräumt und gestreut werden. Für Pommerenke, der im zweiten Jahr im städtischen Winterdienst fährt, ist die morgentliche Dunkelheit die schwierigste Phase des Einsatzes. „In den Warburger Straßen wird eng geparkt. Und wenn es noch dunkel ist, muss man voll konzentriert sein, sonst hat man verloren“, sagt er.

Fürs Lenkrad hat er nur eine Hand frei. Mit der anderen stellt er abwechselt Salzmenge und Streubreite an einem kleinen Computer ein und bedient einen Joystick. „Mit dem wird der Schieber gesteuert.“ Ob er den Schnee links oder rechts von der Straße schiebt, hängt davon ab, wie breit sie ist und wo die Autos stehen.

Zuerst geht es in die Innenstadt, die vor dem morgendlichen Berufsverkehr geräumt sein muss. Für Pommerenke und seine Kollegen eine Tortur: „Vernünftig schieben ist hier kaum noch möglich. Die Schlaglöcher werden von Woche zu Woche größer. Ich hoffe, die Straßen bekommen mit dem Umbau einen ordentlichen Belag“, sagt Pommerenke, der anschließend auf der Hüffert und später in Daseburg, Dössel und Hohenwepel räumen muss.

Ab und zu kracht es unter dem Lkw. „Keine Angst, das sind nur hochstehende Gully-Deckel“, erklärt er. „Es geht dabei auch nichts kaputt, denn die einzelnen Teile des Schiebers sind beweglich.“ Jede Straße hin und zurück – 60 bis 70 Kilometer fährt er bei einer Tour und verbraucht durchschnittlich 2,5 Tonnen Salz. „Es ist immer die gleiche Runde.“ Wenn der Tag anbricht und es heller ist, wird er von Passanten gegrüßt. Man kennt sich. Doch Pommerenke ist nicht immer freundlich: Zwischen den beiden Autos auf der Berliner Straße kommt er nicht durch. Zweimal setzt er zurück und entdeckt dann einen der Fahrer. „Du musst dein Auto mal ein bisschen anders parken. Du siehst doch, wie breit ich bin“, ruft er im strengen Ton. Der Autofahrer verspricht, morgen besser zu parken. Pommerenke nickt und lässt es auf sich beruhen. „Er wird morgen wieder genauso dastehen“, murmelt er, nachdem er die Scheibe hochgekurbelt hat. Anerkennend nickt ihm eine Frau zu, als er sich im dritten Anlauf doch noch durch die beiden Autos zwängt. Nach eigenem Bekunden hat Pommerenke bisher noch nie einen Spiegel abgefahren.

Probleme bereiten den Winterdienstfahrern nicht nur die Fahrzeughalter. „Es gibt Hausbesitzer, die schippen ihren Schnee hinter uns wieder auf die Straße. Wenn das so ist, brauchen wir gar nicht zu räumen“, ärgert er sich. Er weiß, dass die Eigentümer sich im Gegenzug oft darüber aufregen, dass die großen Schneeschieber die geräumten Fußwege wieder zuschütten. „Natürlich müssen wir langsam fahren“, räumt Pommerenke ein und setzt auf Verständnis. „Ich würde den Schnee gern mitnehmen, aber das geht nun mal nicht“, sagt er. Er selbst muss vor der Arbeit den Gehweg vor seiner Haustür in Daseburg nicht frei räumen. „Das macht meine Frau Katrin.“

Seine Lieblingsstraßen sind die im Industriegebiet, wo er ein bisschen schneller fahren und der Schnee etwas höher werfen darf. Oft fährt er diese Wege mit Kollege Wolfgang Laskowski, genannt Timmi, in Kolonne. „Das geht schneller und die Straße ist gleich richtig frei.“

Angst, mit seinem Unimog stecken zu bleiben, hat der 32-Jährige nicht. „Der hat Allrad und ist ordentlich schwer“, berichtet er. Dennoch: Ungestreute Berge fährt er immer nur von unten nach oben, um nicht ins Rutschen zukommen.  Pommerenke, der im Sommer vor allem die großen Rasenflächen der Stadt mäht, ist gern mit dem Schneeschieber unterwegs und freut sich, wenn er auf dem Rückweg das Ergebnis seiner Arbeit, die freigeräumten Straßen sieht.

Wenn er nach sechs bis acht Stunden auf den Bauhof in Warburg  zurückkehrt, ist aber längst noch nicht Feierabend: Je nach Witterung und Schnee auf der Straße beginnt die Tour von vorn. „Auch wenn das Salz die Straßen gut auftaut, der Matsch muss runter. Sonst friert er fest und es lässt sich schlecht fahren.“ Komplett von Matsch befreien muss er kurz vor 16 Uhr auch noch seinen Unimog – damit er am nächsten Morgen Punkt vier Uhr ebenso wieder einsatzbereit ist wie Frank Pommerenkeund seine Kollegen.


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In Kolonne: Wolfgang „Timmi“ Laskowski und sein Kollege befreien am liebsten im Industriegebiet die Straßen vom Schnee.

500 Tonnen Salz

22 Mitarbeiter sind beim Kommunalunternehmen Warburg (KUW) im Winterdienst beschäftigt. Fünf von ihnen fahren die großen Unimog-Räumfahrzeuge, die anderen sind mit Multicar-Schneeschiebern unterwegs oder räumen städtische Fußwege per Hand. In einer Saison werden in Warburg 500 bis 600 Tonnen Salz verbraucht. Erst am Wochenende wurden 50 Tonnen neu geliefert. (das)

 
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