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(NW vom 20.03.2012) INTERVIEW: Bürgermeister Michael Stickeln über den neuen Namenszusatz „Hansestadt Warburg“.
Als eine der ersten elf Städte in Nordrhein-Westfalen hat Warburg die Genehmigung vom Ministerium für Inneres und Kommunales für einen Namenszusatz auf dem Ortsschild erhalten: „Hansestadt Warburg“ wird dort künftig zu lesen sein. Damit könne die Kommune ihre Einzigartigkeit hervorheben, heißt es in der Begründung des Kommunalministers Ralf Jäger: „Das stiftet Identität und stärkt das kommunale Selbstbewusstsein.“ Darüber sprach Simone Flörke mit Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln.
 Markante Markenzeichen: Die Stadt am Desenberg möchte mit ihrem neuen Namenszusatz Hansestadt auf dem Ortsschild eine weitere Marke herausstellen. Zudem soll dadurch laut Bürgermeister Michael Stickeln die Identifikation der Menschen mit dem Hanse-Gedanken gestärkt werden. FOTO: NW-ARCHIV/MONTAGE: THOMAS LÖHRIG
Herr Stickeln, die Genehmigung aus Düsseldorf ist da – ist das eine gute Nachricht für Warburg?
MICHAEL STICKELN: Ja, wir freuen uns darüber. Denn wir hatten den Antrag nach einem einstimmigen Ratsbeschluss an Nikolaustag 2011 gestellt. Und wir freuen uns deshalb auch, weil die beiden Warburger Städte schon lange vor der Vereinigung im Jahr 1436 Mitglieder der Hanse waren. Schon 1364 wurde diese Tradition hier bei uns begründet. Wir haben im Archiv Quellen gefunden, die einen Handel Warburgs beispielsweise mit Riga und Nowgorod belegen. Eine gelebte Hanse-Tradition also.
Haben Sie damit gerechnet, dass die Entscheidung schon so schnell kommen wird?
STICKELN: Wir haben fest damit gerechnet, dass sie so ausfallen wird, denn bei Warburg ist die Bezeichnung Hansestadt alles andere als an den Haaren herbei gezogen. Es ging dann mit der Entscheidung relativ schnell. Beim Hansetag in Nowgorod durfte ich unsere Bewerbung für die Ausrichtung des Internationalen Hansetages 2036 zum 1.000-Jährigen der Stadt präsentieren, die dann gegen den Vorschlag des Hanse-Vorstandes – sie meinten, es sei zeitlich noch zu weit weg – durchgegangen ist. Warburg beginnt rechtzeitig mit der Planung und der Finanzierung: Ab diesem Jahr legen wir jährlich 20.000 Euro als Rücklage für die Ausrichtung 2036 beiseite.
Was wird sich denn jetzt bei den Ortsschildern verändern? Und was kostet das die Stadt?
STICKELN: Weil wir diese Entscheidung aus Düsseldorf so erwartet hatten, haben wir schon 25 Ortsschilder zum Austauschen für die Kernstadt bestellt. Die Kosten betragen rund 2.000 Euro. Zudem müssen 70 Stempel in allen unseren Behörden ausgetauscht werden. Das kostet 450 Euro. Wir arbeiten dabei mit den St.-Nikolaus-Werkstätten der Caritas in Warburg zusammen, die für uns die Hansestadt-Warburg-Stempel herstellen werden. Zudem werden wir die Kopfbögen bei den städtischen Schreiben verändern. Das kostet nichts. Alte Restbestände in einigen Abteilungen werden auslaufen, so dass sich das einheitlich angleichen wird. Die Ortsschilder in den Dörfern werden sukzessive umgestellt.
Und welche Erwartungen haben Sie an den und mit dem neuen Namenszusatz für Warburg?
STICKELN: Wir erwarten langfristig mit Blick auf das 1.000-jährige Stadtjubiläum eine noch stärkere Identifikation der Bevölkerung mit dem Hanse-Gedanken, der noch präsenter sein wird und mit Leben gefüllt werden muss. So können wir uns vorstellen, Stadtführungen unter dem Aspekt Hanse anzubieten, um auf die reiche Hanse-Geschichte Warburgs stärker aufmerksam zu machen. Es gibt sicherlich weitere vielfältige Möglichkeiten: Beispielsweise ist eine Ausstellung zur Hanse im Museum im Stern denkbar. Die Präsenz der Hansestadt wird sich bei den Menschen deutlich weiter verfestigen. Und das ist gut .

„Fest damit gerechnet“: Bürgermeister Michael Stickeln
INFO
Zur Hanse
´Hanse ist die Bezeichnung für die zwischen Mitte des 12. Jahrhunderts und Mitte des 17. Jahrhunderts bestehenden Vereinigungen niederdeutscher Kaufleute.
´Deren Ziel war die Sicherheit der Überfahrt und die Vertretung gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen.
´Eine Entwicklung von der „Kaufmannshanse“ zu einer „Städtehanse“ lässt sich spätestens Mitte des 14. Jahrhunderts mit erstmaligen nahezu gesamthansischen Tagfahrten (Hansetagen) festmachen.
´In denen schlossen sich die Hansestädte zusammen und vertraten die Interessen der niederdeutschen Kaufleute.
´In den Zeiten ihrer größten Ausdehnung waren fast 300 See- und Binnenstädte Nord-Europas in der Städtehanse zusammengeschlossen. |